Stoma

Was ist eigentlich ein Stoma?

Das Wort Stoma kommt aus dem griechischen und bedeutet „Öffnung “ oder „Mund“.  Als Stoma wird eine operativ im Bauchraum angelegte Körperöffnung bezeichnet, durch die ein  Stück des Darms oder die Harnleiter nach außen auf die Hautoberfläche abgeleitet wird.  Je nach  verwendeten Darmabschnitt spricht man von einem Ileostoma (= Dünndarmstoma), Colostoma (=Dickdarmstoma) oder Urostoma (= Stoma zur Harnableitung). Bekannte weitere Bezeichnungen für das Stoma sind,  „künstlicher Ausgang“, „Seitenausgang“ oder „Anus Praeter“.  Die am häufigsten angelegte Stomaart ist das Dickdarmstoma (Colostoma), die zweite häufigste Stomaart ist das Dünndarmstoma (Ileostoma), dann an dritter Stelle folgt das Stoma zur Harnableitung (Urostoma). Daneben gibt es es noch das Tracheostoma o.Tracheotomie auch Luftröhrenschnitt genannt– ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem durch die Halsweichteile ein Zugang zur Luftröhre geschaffen wird.  Als Luftröhrenschnitt wird umgangssprachlich fälschlicherweise auch eine lebensrettende Maßnahme in der Notfallmedizin, die Koniotomie, verstanden, obwohl dabei die Luftröhre nicht betroffen ist. Eine Übersicht der verschiedenen Stomaarten findet ihr hier.

Die Zahl der Betroffenen die mit einer Stomaanlage allein in Deutschland Leben, wird auf knapp 160.000 (Schätzung i.A. der Barmer GEK aus 2013). Ein Stoma kann aus den verschiedensten Gründen und in jedem Lebensalter notwendig werden; in der Mehrheit wird aber eine Stomaoperation aufgrund einer Krebserkrankung im Alter  zwischen 60 und 70 Jahren durchgeführt. Die Stoma-Operation wird im allgemeinen auch als Stomaanlage bezeichnet und wird an knapp 1.500  Kliniken in Deutschland operiert.

 

Die Stomaarten – Übersicht

Das Colostoma
Bei der Kolostomie ist ein Teil des Dickdarmes durch die Bauchdecke gezogen, wo er das Stoma bildet. Ein Kolostoma wird normalerweise auf der linken Bauchseite angelegt. In diesem Darmbereich ist der Stuhl fest. Das Stoma hat keine Muskulatur, mit der es die Darmentleerung kontrollieren kann. Deshalb ist zum Auffangen des Stuhles ein Stomabeutel notwendig. Es gibt zwei verschiedene Formen der Kolostomie: das endständige Kolostoma und das doppelläufige Kolostoma. Macht eine Erkrankung die Entfernung des Mastdarms und/oder eines Teils des Dickdarms notwendig, wird der Chirurg eine Colostomie im gesunden Darmabschnitt anlegen. Je nach ausgeleitetem Darmabschnitt wird die Stomaanlage in z. B. Sigma-Colostomie (im S-förmigen Grimmdarm = Sigma), Transversostomie (im Querdarm = Transversum)benannt. Eine vorübergehende Stomaanlage erfolgt in der Regel dann, wenn eine meist entzündliche Grunderkrankung oder eine zu schützende Naht ein zeitlich begrenztes Stilllegen des betroffenen Dickdarms notwendig macht.

Mögliche Gründe die zu einem Colostoma führen können:
– Aussackungen am Dickdarm.
– unzureichende Schließmuskelfunktion, d. h. Verlust der Kontrolle über die Stuhlentleerung.
– Tumore im Bereich des Darms.
– Darmverschluss (Ileus).
– Darmdurchbruch (Perforation).
– Darmblutungen.
– Schäden durch Strahlentherapie an anderen Organen des kleinen Beckens
– Verletzungen.
– Durch eine CED (Chronisch entzündliche Darmerkrankung) Morbus Crohn, Colitis ulcerosa o. Divertikulose

 

Die endständige Colostomie

Nach Entfernung des Schließmuskels, des Mastdarms und eines dem Erkrankungsausmaß entsprechenden Anteils des unteren Dickdarms wird eine endständige Kolostomie angelegt. Dabei wird der Darm durch die linke Seite der Bauchdecke ausgeleitet (Sigmakolostomie). Auch bei vorübergehender Ausschaltung von Mastdarm und After und Entfernung eines erkrankten Dickdarmabschnittes wird bei bestimmten Krankheitsbildern eine endständige Kolostomie vorgesehen. Dies bezeichnet man als die Operation nach Hartmann. Der Dickdarm hat insbesondere die Aufgabe, den Nahrungsbrei einzudicken. Folglich wird der Stuhl umso weicher, je kürzer der verbliebene Dickdarmanteil ist. Bei der am häufigsten genutzten Form der Colostomie im Bereich des Sigmas bleibt der Darm fast vollständig erhalten. Hierbei ist die Häufigkeit und Festigkeit des Stuhls in etwa mit dem Zustand vor der Erkrankung zu vergleichen.

 

Die doppelläufige Colostomie

Soll der Stuhl vor einem Hindernis z. B. einem entzündlich veränderten Darmabschnitt oder einer zu schonenden Darmnaht abgeleitet werden, wird in der Regel die Anlage einer doppelläufigen Colostomie gewählt. Der Dickdarm wird dabei meist im Bereich des Querdarms schlingenförmig auf den Bauch vor gelagert. Die vordere Wand der Darmschlinge wird eröffnet und mit Nähten an der Bauchdecke fixiert. Dadurch entstehen zwei Darmöffnungen.Die Stuhlentleerung findet in diesem Fall hauptsächlich über eine dieser Öffnungen statt. Je nach eröffnetem Darmabschnitt wird der Stuhlgang breiig oder fest sein. Trotzdem kann es hin und wieder auch zu einer Stuhlentleerung über den After kommen, da sich trotz Ausschaltung von der normalen Darmpassage kleine Kot und Schleimmengen im Enddarm sammeln können. Der dabei empfundene Stuhldrang ist normal und sollte nicht beunruhigen. Falls man aber unter dauerndem Stuhldrang leidet, ist es ratsam einen Arzt aufzusuchen und das abklären zu lassen.

 

 


Das Ileostoma (Dünndarmausgang), (lat. Ileum = Dünndarm und griech. Stoma = Mund, Öffnung)

Es ist die zweithäufigste Art der Stomaanlage. Unter einer Ileostomie versteht man die Ausleitung des Dünndarms an die Hautoberfläche. Nach vollständiger Entfernung des Dickdarms (totale oder subtotale Kolektomie), nach Entfernung des Mastdarms (Rektum) sowie des Afters (Anus) wird in der Bauchdecke eine künstliche Öffnung geschaffen meist im rechten Unterbauch. Der gesunde Restdarm nach außen geführt und mit der Bauchdecke vernäht. Die Gründe können in chronisch entzündlichen Darmerkrankungen des Dickdarms liegen z.B bei einer Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Bei diesen Leiden kommt es zu einer hohen Häufigkeit von Durchfällen (bis zu 30-mal am Tag), die sich mit einer medikamentösen Behandlung häufig nicht stoppen lassen. Die körperliche und seelische Belastung der Betroffenen sowie vielfach auftretende Komplikationen machen die Anlage eines Ileostomas dann unumgänglich. Weitere Erkrankungen wo ein Ileostoma notwendig wird, sind Divertikulitis, Erbkrankheiten wie die Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP), HNPCC oder auch Lynch Syndrom genannt, sowie Komplikationen im Rahmen abdominaler Eingriffe, Organfehlbildungen bei Neugeborenen oder Unfälle. 

 

Die endständige Ileostomie

Als Endständig bezeichnet man hier die Art, wie mit den beiden Darmenden nach der Operation verfahren wird. Im Gegensatz zu einer doppelläufigen Ileostomie wird der abführende, Darmabschnitt, in Richtung Anus verlaufende, Darmschenkel blind verschlossen. Ausgeleitet wird der zuführende, orale Schenkel, aus Magen-/Mundrichtung kommend. Dieser Schenkel fördert den Stuhl. Wichtig ist eine prominente Anlage, d.h. mindestens 2-4 cm der Darmschleimhaut sollen über Hautniveau herausragen. Da bei dem Ileostoma die Ausscheidungen dünnflüssig bis breiig und sehr aggressiv sind. Durch die prominente Stomaanlage soll so Sichergestellt werden, dass die Stomaversorgung dicht bleibt und nicht von dünnen Stühlen unterwandert wird, was schwere Hautschäden zur Folge haben kann. Endständige Ileostomien sind in Fällen als dauerhaftes Stoma angelegt.

 

Die doppelläufige Ileostomie

Die doppelläufige Ileostomie dient der vorübegehenden Entlastung, z.B. bei Entzündungen oder zur Entlastung einer frisch angelegtenAnastomose. Sie werden bei nicht mehr bestehender Indikation oder Abheilen einer Darmnaht nach 6-12 Wochen wieder zurückverlegt. Nach der öffnung der Bauchdecke wird ein funktionsfähiger Bereich des Dünndarms als Schlinge herausgezogen. Um das Zurückgleiten des Darms in den Bauchraum zu verhindern, wird häufig ein so genannter Reiter in Form eines flachen Kunststoffstabes unter die Schlinge geschoben. Dieser wird weder mit der Haut, noch mit dem Stoma vernäht. Anschließend wird der Darm von oben eingeschnitten und nach außen umgestülpt, so dass zwei sichtbare Darmöffnungen entstehen. Der stuhlfördernde Darmabschnitt (aus Richtung Magen / Mund) wird als zuführende Schlinge oder oraler Schenkel, der abführende Teil (in Richtung Anus) als abführende Schlinge oder aboraler Schenkel bezeichnet. Im distalen (aboralen) Darmteil werden weiterhin Zellen und Schleim abgestoßen und über den Anus und das Stoma abgeführt. Die Ausleitung erfolgt ebenfalls im rechten Unterbauch. 

 

Der Ileoanale Pouch (J-Pouch)

Der Ileoanale Pouch (von lat. Ileum: Hüftdarm, Anus: After, englisch pouch: Beutel, Tasche) ist ein Operationsverfahren, bei dem mit Anlage eines Reservoirs eine direkte Verbindung (Anastomose) zwischen dem letzten Abschnitt des Dünndarms (Ileum) und dem Anus geschaffen wird. Angewendet wird die Technik bei der Kolektomie, wie sie zum Beispiel bei der Colitis ulcerosa durchgeführt wird. Ziel der Anlage eines ileoanalen Pouches ist die Erhaltung der Kontinenz (willentliche Stuhlentleerung durch den natürlichen Darmausgang). Zur Bildung eines Pouch wird künstlich aus Dünndarmschlingen ein geformtes Reservoir angelegt, das den überwiegend flüssigen Darminhalt des Dünndarms sammelt und die direkte Entleerung hinauszögert. Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Pouch zu gestalten. Die technisch einfachste Anlage ist der so genannte J-Pouch, die heute als Standardverfahren gilt.<

 


Die Urostomie (Urostoma) – künstliche Harnausleitung

Unter einer Urostomie versteht man die Ableitung des Harns an die Hautoberfläche.Die menschlichen Harnorgane stellen eine Reinigungsanlage im Körper dar. In den Nieren werden schädliche und giftige Abfallstoffe herausgefiltert.Das Endprodukt dieser Filterung, der Urin, wird im Nierenbecken gesammelt und fließt durch die zwei Harnleiter in die Harnblase. Die Harnblase dient dazu, den Urin zu speichern. Über die Harnröhre wird der Urin schließlich ausgeschieden. Eine Stomaanlage ist dann notwendig, wenn das harnableitende System durch Schädigung oder Entfernung der Harnblase oder der Harnwege nicht mehr in der Lage ist, den Harn kontrolliert auszuscheiden.

Urostomata werden heute meist als Ileum – Conduit angelegt. Das Ileum – Conduit ist eine der klassischen Formen der Harnableitung und gilt im Vergleich mit anderen Operationsmethoden als sichere, komplikationsarme Methode. Beim Ileum – Conduit wird ein Stück (Segment) des Dünndarms abgetrennt. Beide Harnleiter werden an einer Seite des Darmteils eingenäht. Die andere Seite wird nach außen geleitet und als Stoma an der Bauchdecke, in der Regel im Bereich des rechten Unterbauches, angenäht. Der Urin läuft aus dem Nierenbecken über die Harnleiter in das Dünndarmsegment und weiter an die Körper-oberfläche.Das Stoma an sich ist keine Krankheit. Nach einer gewissen Heilungszeit kann man wieder die gleichen Ansprüche wie jeder andere an das Leben stellen. Ein zuverlässige, geruchsdichte und gut verträgliche Känguruversorgung (Stomaversorgung) mit einer unauffälligen Auffangvorrichtung für die Ausscheidungen spielt dabei eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden.