Aktuelle Lage der Hilfsmittel-Versorgung und unsere Forderung!

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Zur aktuellen Situation  in der Hilfsmittel-Versorgung von Stomaträgern/-innen, und unsere Forderung!

Auf Grund der schlechten Erfahrungen in der Inkontinenz-Versorgung, und der seit April 2016 laufenden Ausschreibung, der KKH, zur Stoma-Versorgung, sehen wir, die Stoma-Selbsthilfe Braunschweig „die Kängurufreunde“, die gute und qualitative Hilfsmittel- Versorgung von Stomaträgern ebenfalls in Gefahr. Wir sind einer Meinung mit der Einschätzung des Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Herrn Laumann, dass in den Ausschreibungs- Verfahren der Krankenkassen, der Qualitäts- Aspekt in der Versorgung zu kurz gekommen ist, und von Seiten des Gesetzgebers nachgebessert werden muss.

 

Daher haben wir, die Stoma~Selbsthilfe Braunschweig „die Kängurufreunde“, zur Unterstützung der aktuellen Diskussion folgende Forderungen:

Von der Hilfsmittel-Ausschreibung sind jetzt auch die ca. 160.000 Menschen mit künstlichem Darmausgang (Stoma) betroffen. Leider hatten die Bemühungen des Patientenbeauftragten, Herrn Laumann, des Petitions- Ausschusses, und auch der angekündigte Gesetzesentwurf des Gesundheitsministeriums, in den vergangenen Monaten nicht zufolge, dass die Krankenkassen nicht von der bisherigen Praxis absehen, die im Rahmen von Ausschreibungen alleine dem günstigsten Anbieter den Zuschlag zu geben. Es führte, im Gegenteil dazu, dass mit der Kaufmännischen Krankenkasse KKH als Krankenkasse eine Ausschreibung in einem weiteren kritischen Versorgungsbereich durchführt, in der Hilfsmittel-Versorgung von Stoma-Patienten.

Ohne hochwertige Hilfsmittel ist keine Teilhabe möglich!

Durch eine Erhebung der Barmer/GEK leben geschätzt ca. 160.000 Menschen in Deutschland, mit einem „künstlichen Darmausgang“ (Stoma). Das Stoma ist eine chirurgisch hergestellte Öffnung, diese bewusst herbei geführte Körperbehinderung, die nach Möglichkeit schlimmeres verhindern soll. Oftmals ist das Stoma auch ein Lebensretter, beispielsweise für Darmkrebs-Patienten, die so geheilt werden können, aber für eine gewisse Zeit, oder oftmals auch für den Rest Ihres Lebens, mit einer noch immer sehr tabuisierten Behinderung leben müssen.

Die Hilfsmittel zur Stoma-Versorgung  gehören, wie die Inkontinenz- Hilfe, zu den zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln. Die Stoma-Beutel ( auch Ausstreifbeutel genannt), mit der die unkontrolliert austretenden Körperausscheidungen, aus einer Körperöffnung im Bauch  aufgefangen werden, sind für alle davon betroffenen Patienten, unentbehrliche alltägliche Begleiter, ohne die eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Arbeit unmöglich ist, es alle Lebensbereiche betrifft. Dass ein Stoma heute überhaupt eine Therapie- Option ist, verdanken wir der  qualitativ sehr guten Hilfsmittel.

 

In der Versorgungs-Qualität ist ein massiver Einbruch vorhersehbar

Unsere Befürchtung besteht darin, dass andere Krankenkassen diesem Beispiel der KKH folgen werden, und Ihrerseits, die heute üblichen Monatspauschalen, zu Lasten der Versorgungsqualität deutlich absenken werden. Dabei ist eine vergleichbare Entwicklung, wie in der Inkontinenz-Versorgung vorprogrammiert:

  • eine Beschneidung in der Wahl der Leistungserbringer,
  • eine aufzahlungsfreie Versorgung nur noch mit Hilfsmitteln, die der Minimal-Anforderung genügen, und dadurch eine Teilhabe nur noch unzureichend gewährleistet ist.

In Gefahr: Die ambulante Betreuung

Ein weiteres Problem für Stomaträger/-innen, ist ein zu erwartender Einbruch, in der ambulanten Betreuung, durch Stomatherapeuten/-innen. Die Betreuung von Stoma-Patienten geht über die individuelle Anpassung, und die reine Anleitung in der Nutzung der Hilfsmittel,  weit hinaus. Denn jeder Mensch ist anders, so ist auch jeder Bauch anders, so ist auch jedes Stoma individuell. Mit der selbständigen Anpassung der Hilfsmittelversorgung, an veränderte Körperbedingungen (beispielsweise bei  Zu- oder Abnahme), bei auftretenden Komplikationen (etwa bei Hautentzündungen durch Kontakt mit den Ausscheidungen, u.a.,) sind die Stoma- Patienten oft überfordert. In diesen Fällen ist eine qualifizierte, ambulante Betreuung notwendig. Diese wird heute vorwiegend, und im Rahmen der Stoma- Versorgung, durch Sanitätshäuser und HomeCare-Unternehmen sichergestellt. Die Alternativen bzw. die ambulanten Anlaufstellen, z.B. Stoma- Sprechstunden in Kliniken, bilden hier die Ausnahme, und bieten aber keine flächendeckende Unterstützung.

Daher fordern wir, die Stoma~Selbsthilfe Braunschweig „die Kängurufreunde“, den Gesetzgeber dazu auf, das folgende Punkte zu berücksichtigen sind:

  • regelmäßige und verpflichtende Aktualisierung des Hilfsmittelverzeichnis unter Einbeziehung der fortlaufenden Weiterentwicklung und Verbesserung der verfügbaren Hilfsmittel,
  • die Aufnahme mit einer  Abgabe der Hilfsmittel zur Stomaversorgung verbundenen Dienstleistung im Hilfsmittelverzeichnis, die den tatsächlichen Bedarf der Patienten beinhaltet,
  • die aufzahlungsfreie Hilfsmittel- Versorgung, die es jedem Stoma- Patienten ermöglicht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen,
  • die Wahlfreiheit zwischen allen am Markt verfügbaren Hilfsmitteln zur Stoma-Versorgung in der Form, dass Nischen-Produkte, die besonders schwierige Versorgungs- Situationen abdecken, nicht ausgeschlossen werden,
  • eine transparente, sowie aktive Information der Krankenkassen, gegenüber ihren Versicherten über den gesetzlich zugesicherten, und darüber hinaus mit den Vertragspartnern vereinbarten Leistungsanspruch,
  • die verpflichtende Kontrolle der Versorgungsqualität, durch die Krankenkassen, mittels Patientenbefragungen, sowie die Veröffentlichung der Befragungs- Ergebnisse.

 

Hierzu liegt dem Spitzenverband der Krankenkassen seit gut zwei Jahren ein konkreter Vorschlag der Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz, Wunde e.V, (FgSKW) vor, der auf eine Umsetzung bzw. Anwendung wartet.

 

Gez. Die Gruppenleitung der Stoma~Selbsthilfe Braunschweig und Ihre Mitglieder,

 

Braunschweig, den 31. Mai 2016

 

Aktuelle Lage in der Hilfsmittel-Versorgung und unsere Forderung!